Vortrag über „Zwangsarbeit zwischen Pfungstadt und Eberstadt“

Im nächsten Vortrag aus unserer Reihe „Wissenswertes – Interessantes – Historisches in und über Pfungstadt“ geht es diesmal über „Zwangsarbeit zwischen Pfungstadt und Eberstadt“.

Während des Zweiten Weltkriegs stellte sich die deutsche Wirtschaft um auf eine Produktion für den Krieg. Gleichzeitig wurden über zehn Millionen Ausländer ins Deutsche Reich geholt um hier zu arbeiten, vor allem Kriegsgefangene und Zivilisten aus den besetzten Ländern.

In der ehemaligen Büchner’schen Ultramarinfabrik richteten Eberstädter und Pfungstädter Betriebe ein Zwangsarbeiterlager für mindestens 150 Insassen ein – vermutlich aber mindestens doppelt so viele -, das bis Kriegsende in Betrieb war. Wer lebte dort und unter welchen Bedingungen? Darüber geben Unterlagen des Stadtarchivs Auskunft, die hier erstmals vorgestellt werden.

Auch die Muna wird zur Sprache kommen. Sie war 1938 weitestgehend auf Pfungstädter Gebiet errichtet; da aber die Verwaltung auf Eberstädter Territorium lag, trug sie die offizielle Bezeichnung Heeresmunitionsanstalt Darmstadt-Eberstadt.

Neben dem Militär arbeiteten in der Muna zunächst dienstverpflichtete Frauen aus der Umgebung, später mehr und mehr Zwangsarbeiterinnen etwa aus Frankreich oder der Sowjetunion. Aufgabe der Frauen war es u. a., die Munition zu „bezündern“, also scharf zu machen. Für den Transport waren dann Männer zuständig: Das Straflager Dieburg/Rodgau hatte dort ein Außenkommando mit rund 300 Zuchthausgefangenen, das ebenfalls bis Kriegsende betrieben wurde. Die Muna erlebte im März 1945 einen Luftangriff, wurde danach aber vermutlich durch das deutsche Militär gesprengt.

Der Vortrag von Dr. Bernhard Bremberger wird sowohl für ein jüngeres und älteres Publikum interessant sein: Die einen werden erfahren, wir vor 75 Jahren Menschen aus vielen Ländern Europas, die nicht viel älter waren als sie selbst jetzt sind, um ihre Jugend betrogen wurden. Wieder andere haben vielleicht diese Zeit selbst erlebt und können die eine oder andere Erinnerung beitragen.

Referent ist Dr. Bernhard Bremberger, aufgewachsen in Darmstadt und Eberstadt, 1972 Umzug nach Berlin, Studium der Vergleichenden Musikwissenschaft, Ethnologie und Turkologie, Themenschwerpunkt: Der Umgang mit dem/den Fremden, (Forschungen über multikulturelles Zusammenleben, abendländisches Türkenbild und lokalhistorische Arbeiten), seit 2000 Projekte zu Zwangsarbeit, Medizin und Justiz im Nationalsozialismus.

Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 26. September 2019 im Kulturhaus ehemalige Synagoge, Hillgasse 8, statt. Beginn ist um 18 Uhr, der Eintritt ist frei.

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